Medizinische Leitung
Dr. Tomislav Kovačević übernimmt die medizinische Leitung der Schmerzklinik Zürich – im Interview über Neurowissenschaften und moderne Schmerzmedizin.
Dr. med. Tomislav Kovačević, Facharzt für Anästhesiologie und Medical Co-Director der Schmerzklinik Zürich, verbindet klinische Erfahrung mit einem tiefen Verständnis der Neurowissenschaften. Seine Arbeit konzentriert sich auf moderne, interventionelle Verfahren der Schmerztherapie sowie auf einen ganzheitlichen Ansatz in der Behandlung chronischer Schmerzen. Mit seiner wissenschaftlichen und klinischen Expertise trägt er wesentlich zur interdisziplinären Versorgung von Patientinnen und Patienten mit komplexen Schmerzerkrankungen bei.
Medizinischer Werdegang
Dr. Kovačević studierte Humanmedizin in Kroatien. Bereits früh in seiner Laufbahn beschäftigte er sich intensiv mit Neurowissenschaften und forschte in diesem Bereich am renommierten McGill University Health Centre in Kanada.
Im Anschluss absolvierte er seine Weiterbildung zum Facharzt für Anästhesiologie und sammelte umfangreiche klinische Erfahrung in verschiedenen Bereichen der modernen Medizin. Vor seinem Wechsel in die spezialisierte Schmerzmedizin war er als Oberarzt für Anästhesiologie am Kantonsspital Schaffhausen tätig. Dort arbeitete er insbesondere in der perioperativen Medizin, Intensivmedizin und Schmerztherapie.
Seit Januar 2021 ist Dr. Kovačević an der Schmerzklinik Zürich tätig. In dieser Zeit konnte er seine Ausbildung im Bereich der interventionellen Schmerztherapie weiter vertiefen und weiterentwickeln. Heute arbeitet er als Medical Co-Director der Klinik und behandelt Patientinnen und Patienten mit einem breiten Spektrum moderner schmerzmedizinischer Verfahren.
Interview mit Dr. med. Tomislav Kovačević
Herr Dr. Kovačević, neben Ihrer klinischen Ausbildung haben Sie sich intensiv mit Neurowissenschaften beschäftigt. Welche Rolle spielt dieses Wissen in Ihrer Arbeit als Schmerzmediziner?
Neben meiner klinischen Ausbildung habe ich mich früh intensiv mit Neurowissenschaften beschäftigt und in diesem Bereich auch wissenschaftlich gearbeitet. Für mich besteht eine enge Verbindung zwischen Anästhesiologie und der Neurobiologie des Menschen: Viele Medikamente, die wir täglich einsetzen, wirken direkt auf Mechanismen des Nervensystems – auf Wahrnehmung, Schmerzverarbeitung und Bewusstsein.
Gerade deshalb hat mich Schmerzmedizin schon früh besonders interessiert. Schmerz ist ein komplexes Phänomen, das an der Schnittstelle zwischen Neurowissenschaft, klinischer Medizin und der persönlichen Lebenssituation eines Menschen steht. Schon während meiner ärztlichen Laufbahn hatte ich den Wunsch, mich in diesem Bereich weiter zu spezialisieren und mich besonders mit interventionellen Verfahren der Schmerztherapie zu beschäftigen.
Warum haben Sie sich für die Schmerzmedizin entschieden?
Schmerzmedizin ist eines der spannendsten und zugleich anspruchsvollsten Gebiete der Medizin. Chronischer Schmerz betrifft den Menschen nicht nur körperlich, sondern oft auch psychisch und sozial. Viele Patientinnen und Patienten haben bereits einen langen Weg durch verschiedene Therapien hinter sich.
Gerade deshalb empfinde ich diese Arbeit als besonders sinnvoll: Unser Ziel ist es, Menschen zu helfen, ihre Lebensqualität und Funktionsfähigkeit wieder zu verbessern.
Was ist Ihnen im Umgang mit Patientinnen und Patienten besonders wichtig?
Zeit zum Zuhören. Viele Menschen mit chronischen Schmerzen haben einen langen Leidensweg hinter sich. Es ist wichtig, ihre Geschichte ernst zu nehmen und gemeinsam realistische therapeutische Ziele zu definieren. Vertrauen und eine klare Kommunikation sind für mich die Grundlage jeder erfolgreichen Behandlung.
Ebenso wichtig ist es, die Patientinnen und Patienten auch als Menschen kennenzulernen. Im ersten Gespräch sprechen wir nicht nur über Schmerzen, sondern manchmal auch über persönliche Interessen oder Hobbys. Solche Gespräche schaffen eine offene Atmosphäre und helfen, eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Patient und Therapeut aufzubauen – etwas, das für den therapeutischen Erfolg oft von grosser Bedeutung ist.
Gibt es einen therapeutischen Ansatz, der Ihnen besonders am Herzen liegt?
Ich finde besonders spannend, dass sich die Schmerzmedizin in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat. Heute stehen uns viele minimal-invasive und interventionelle Verfahren zur Verfügung, die gezielt auf Schmerzmechanismen wirken können.
Gleichzeitig ist es wichtig, Schmerz immer multimodal zu betrachten. Interventionelle Verfahren können ein wichtiger Bestandteil der Therapie sein, doch häufig entsteht der grösste Nutzen durch die Kombination verschiedener Ansätze – medizinisch, physiotherapeutisch und psychosozial.
Wie schaffen Sie Ausgleich zum Klinikalltag?
In meiner Freizeit beschäftige ich mich gerne mit Fotografie und kulturellen Themen. Fotografie ist für mich eine Möglichkeit, den Blick bewusst zu schärfen und Momente wahrzunehmen, die im hektischen Alltag leicht übersehen werden. Dieser Perspektivwechsel hilft mir auch im klinischen Alltag – denn auch dort ist es wichtig, genau hinzuschauen und die individuellen Geschichten der Menschen wahrzunehmen.
Spass macht. Dabei erlebe ich eine offene Kommunikationsstruktur und alle haben das Bestreben sich und Abläufe stetig zu verbessern.
