Methoden und Massnahmen

 

 

 

Seit mehreren Jahrzehnten werden weltweit spezifische Schmerzen durch elektrische Stimulation des Rückenmarks behandelt. Hierzu gehören der

  • Nervenschmerz („neuropathischer Schmerz“) nach Nervenschädigung durch Verletzung
  • der als Folge von Wirbelsäulenoperationen mögliche Schmerz
  • Schmerzen bei CRPS (früher Morbus Sudeck)
  • Schmerzen infolge von Durchblutungsstörungen

Erste Ergebnisse liegen darüber hinaus vor bei

  • Wirbelkanal (Spinal-)-Verengung
  • (diabetischer) Polyneuropathie

Wie funktioniert das?

Mittels eines über eine hohle Nadel in den Wirbelkanal eingebrachten, Silikon-geschützten Drahtes werden Impulse ausgelöst, welche die (Weiter-) Leitung des Schmerzes an die schmerzempfindlichen und schmerzbewertenden Zentren des Gehirns hemmen, bzw. unterdrücken. Die Nervenstimulation ist nicht schmerzhaft. Je nach Methode/System wird die Stimulation gar nicht oder als „warmes Kribbeln“ empfunden.

Wann kommt die Therapie zum Einsatz?

Ob die Therapie sinnhaft zur Anwendung kommen kann, wird im Rahmen eines mehrwöchigen Tests ermittelt. Für diese Zeit wird die stromführende Elektrode aus dem Körper herausgeleitet („hängen die Drähte aus der Haut“) und mit einer externen Batterie verbunden. Durch Verschieben des Drahtes und verschiedene Programmiermuster wird geprüft, ob eine erfolgreiche Stimulation erreicht werden kann. Kommt es zu einer verbesserten Funktion (zum Beispiel besser laufen können, besser sitzen können), zu einem verbesserten Schlafverhalten oder zu einer relevanten Schmerzreduktion (üblicherweise mehr als 50%) werden nach einer gewissen Wartezeit eine oder zwei neue Elektroden und ein Impulsgeber komplett unter die Haut implantiert.

Die testweise Elektrodenanlage wie auch die definitive Implantation führen wir ambulant in unserem zertifizierten OPS durch und überwachen den Patienten im Anschluss auf unserer Tagesstation.

Bei Schmerzen, die von den kleinen Wirbelgelenken ausgehen («Facettenschmerz» und Dysfunktion oder Arthrose) kann die Radiofrequenztherapie zur Verödung der kleinsten, die Gelenke versorgenden Nerven angewandt werden. Nach bestätigender, gezielter diagnostischer Injektion von Lokalanästhesie besteht in der Folge eine mehr als 50%-Erfolgsrate bei einer dann in einem zweiten Termin durchzuführenden Verödung. Effekte von drei bis zwölf Monaten sind zu erwarten. Später kann die Massnahme wiederholt werden.

Wie funktioniert das?

Nachdem eine spezielle Nadelspitze in den Bereich des kleinen Nervens gelegt wurde, wird mit Elektrizität eine Temperatur von mehr als 70°C angestrebt. Dies führt zur Verkochung der Nervenbestandteile innerhalb seiner äusseren Hülle. Die Verödung ist nicht schmerzhaft. Zuvor wird der Nerv mit örtlichem Betäubungsmittel anästhesiert.

Mit einer ähnlichen Methode, bei der aber mittels hochfrequentem An- und Ausschalten des Stroms ausschliesslich nicht nervenschädigende Temperaturen von bis 42°C erreicht werden, können auch grössere Nerven (zum Beispiel solche für die Muskelkraft) behandelt werden. Hier sind Effekte von drei bis sechs Monaten zu erwarten. Anwendung findet diese Methode bei sogenannten Nervenschmerzen.

Entzündungsbedingte Verklebungen oder nach einer Operation auftretende Vernarbungen im Wirbelkanal können mittels einer speziellen Katheter-Technik therapiert werden. Meist wird der Katheter über die knöcherne Öffnung oberhalb des Steissbeins in den Wirbelkanal eingeführt. Dabei werden die aneinanderhaftenden Gewebsschichten im Epiduralraum mittels Flüssigkeitsgabe und/oder Aufblasen eines kleinen Ballons an der Katheterspitze getrennt. Dadurch verringert sich der Zug an der das Hirnwasser und Nerven umgebenen Hirnhaut. Rücken- sowie ausstrahlende Beinschmerzen können dadurch verbessert werden. Verletzungen der Hirnhaut, die den Patienten vorübergehend beeinträchtigen könnten, sind dabei sehr selten.

Die unter «kathetergeführte Epidurografie» geschilderten Ursachen von Rücken- und Beinschmerzen können noch erfolgreicher angegangen werden, wenn die Trennung der Gewebsschichten im Epiduralraum «unter Sicht», also mit einer flexiblen Optik (Endoskop) vorgenommen wird. Die Platzierung des aufblasbaren Ballons in die Verklebung/Vernarbung wird dabei optimiert. Zusätzlich kann eine gewebstrennende Technik mit minimaler Eindringtiefe (QMR®, Quantum Molecular Radiofrequency) sogar nahe der Hirnhaut eingesetzt werden. Mit diesem Verfahren können auch grossflächige Verklebungen/Vernarbungen therapiert werden, sodass eine deutlich bessere Beweglichkeit der Hirnhaut und der Nerven im Wirbelkanal erzielt werden kann.

Darüber hinaus können sogenannte Schmerzpunkte durch mechanische Reize während der Epiduroskopie bestimmt werden. Um unzulässigen Druck zu vermeiden, wird die Menge der Spülflüssigkeit (zur Ermöglichung der Sicht) laufend überwacht. Einrisse der Hirnhaut sind selten: Dadurch eventuell auftretende Symptome sind auf wenige Stunden limitiert und können erfolgreich auf unserer Tagesklinik therapiert werden.

Akute Schmerzzustände, die zum Beispiel durch eine neu aufgetretene Diskushernie (Vorfall von Bandscheibengewebe) und die dadurch bedingte Nervenbedrängung auftreten, können häufig gut mittels einer, respektive zweier gezielter, bildgebungskontrollierter Cortison-Infiltrationen behandelt werden. Das Cortison wird entweder über die Nervenaustrittsstellen am Wirbelkanal oder direkt in den Wirbelkanal gespritzt.

Ebenso können dysfunktionale, so genannt «blockierte» Gelenke und – bedingt auch – degenerierte, sprich «abgenützte» Gelenke mit Cortison-Infiltrationen behandelt werden. Im Erfolgsfall tritt ein Effekt je nach Cortison-Präparat innert weniger Tage oder einer Woche auf. Liegt eine Arthrose vor, ist davon auszugehen, dass der Effekt nach zwei bis drei Monaten wieder abnimmt. Cortison kann prinzipiell den Gelenkknorpel schädigen, daher sollten bei Arthrose regenerative Techniken (siehe unter «Regenerative Medizin») in Erwägung gezogen werden.

 

Bei strikt wirbelsäulennahen Schmerzen liegt häufig ein direkt vom Bandscheibengewebe ausgehender Schmerz vor. Dieser ist klinisch – also in der körperlichen Untersuchung – und mittels Bildgebung – Röntgen, CT oder MRI – nicht gut vom sogenannten Facettenschmerz oder von Schmerzen des Iliosakralgelenkes zu trennen.

Gezielte Schmerzauslösung

Hilfreich bei der Identifizierung der direkt vom Bandscheibengewebe ausgehenden Schmerzen ist die sogenannte Provokationsdiskographie. Hierbei wird wenig Flüssigkeit unter kontinuierlicher Druckmessung in die Bandscheibe eingespritzt. Dabei wird geprüft, ob während des kontrollierten Einspritzens ein dem Patienten bekannter Schmerz ausgelöst wird.

Während bei einer gesunden Bandscheibe «kein» oder «wenig» oder ein «anderer» Schmerz – und dies auch nur kurzfristig – vom Patienten angegeben wird, ist bei der erkrankten, sozusagen der verantwortlichen Bandscheibe, ab einem gewissen Druck der dem Patienten gut bekannte Schmerz am gut bekannten Ort zu spüren. Dieser hält im Rahmen der Testung üblicherweise maximal einige Minuten an.

Kurzzeitig mehr Schmerzen

Da bei ca. jedem zwanzigsten Patienten mit einigen Stunden dauernden, zusätzlichen Schmerzen zu rechnen ist, ist für einige Stunden die Überwachung und gegebenenfalls die Therapie auf unserer Tagesklinik notwendig. Bei ungefähr einem von fünfzig Patienten ist von einer einige Wochen anhaltenden Schmerzverstärkung auszugehen.

Bei muskulären Verspannungszuständen sind neuraltherapeutische Triggerpunkt-Infiltrationen und «Dry Needling» gut bekannt. Mit dem heutigen Einsatz von transportablen Ultraschallgeräten kann diese Technik deutlich risikoärmer zum Beispiel auch in der Nähe der Lunge, der Bauchhöhle sowie nah an Blutgefässen und Nerven durchgeführt werden. Lässt sich der krankhaft erhöhte Muskeltonus mittels solcher Infiltrationen senken, ist in der Folge eine körpertherapeutische Behandlung (detonisierende Massage, Physiotherapie und/oder Haltungskontrolle) angezeigt.

Bei sogenannten «Ganzkörperschmerzen», «wandernden Schmerzen» und Fibromyalgie können Verbesserungen mit ­– während einigen Wochen – wiederholten Infusionen erreicht werden. Diese zielen auf spezielle Zellstrukturen (NMDA-Rezeptoren und Natrium-Kanäle). Dazu wird bei uns im Haus die Kombination von (S-) Ketamin, Midazolam und Lidocain eingesetzt. Nebenwirkungen, etwa intolerabler Schwindel, sind ziemlich, Halluzinationen sehr selten. In den ersten Sitzungen wird – unter Atem- und Kreislaufkontrolle – die Verträglichkeit geprüft und im Anschluss eine Kurzserie durchgeführt. Bei guter Wirkung kann die Infusion später nach einem festzulegenden, persönlichen Intervall wiederholt werden.

Das Verfahren kann auch bei den häufig im Rahmen der Schmerzerkrankung auftretenden depressiven Zuständen und grundsätzlich auch bei intraktabler Depression (nicht ausreichende Wirkung trotz mehrfacher medikamentöser Therapie) zur Anwendung kommen.

Migräne ist eine Kopfschmerzerkrankung, welche Patienten langfristig begleiten kann. Gegen die Kopfschmerzen können oft einfache Schmerzmittel helfen. In anderen Fällen helfen Medikamente, die indirekt auf die Blutgefässe der Hirnhaut wirken und (neuerdings) Antikörper gegen die Blutgefäss-erweiternde Substanz CGRP. Besteht eine hohe Anfallsfrequenz, kommen zusätzlich Medikamente in Tablettenform zur sogenannten Prophylaxe zur Anwendung (Betablocker, Antiepileptika und Antidepressiva).

Botox® als Medikament

Eine Alternative ist das Infiltrieren von Botulinumtoxin (man sagt auch «Wurstgift») an 31 definierte Stellen im Kopf- und Schulterbereich nach dem sogenannten PREEMT-Schema. Der Erfolg dieser Behandlung führte zur Zulassung von Botox zur Migräne-Behandlung in den USA und Europa. In der Schweiz sprechen manche Versicherer in speziellen Patientensituationen Kostengutsprachen.

Die Behandlung wird zweimal nach jeweils drei Monaten wiederholt. Sollte dieser Behandlungsansatz erfolgreich sein – die Zahl der Migränetage pro Monat reduziert sich mindestens um 3 – wird die Infiltration nach einem festzulegenden, persönlichen Intervall wiederholt.

Im sogenannten vegetativen Nervensystem gibt es zwei Kräfte: Den Parasympathicus, hier insbesondere der Vagusnerv und den Sympathicus. Letzerer ist u.a. für Durchblutung, Temperaturregulation, Schwitzen und auch für muskuläre und emotionale Spannung mitverantwortlich. Bei chronischen Schmerzen kann es zu einer Mitbeteiligung des Sympathicus kommen und dadurch ein Teufelskreis mit gegenseitiger Verstärkung entstehen. Dies ist häufig bei Nervenschmerzen der Fall, ebenso beim «komplexen regionalen Schmerzsyndrom CRPS».

Mittels testweiser Blockade durch eine gezielte, Ultraschall-gesteuerte und Röntgen-kontrollierte Infiltration prüfen wir, ob eine spezifische Behandlung am Sympathicus sinnvoll und nötig ist. Die Testblockade hält für vier bis acht Stunden an. Die betroffene Extremität wird für diese Zeit warm, schwer und kann sich „wie Schaumgummi“ anfühlen. Diese Effekte, wie auch gegebenenfalls kurzfristig auftretende Heiserkeit, Schluckstörungen oder ein herabhängendes Oberlid, sind nicht beängstigend und erklären sich aus der Blockade.

Tritt während den vier bis acht Stunden Wirkzeit eine relevante Funktionsverbesserung oder eine eindeutige Schmerzreduktion auf, wäre ein sogenannter «Symphathetic Maintained Pain, SMP» diagnostiziert. Dieser könnte mit einer Kurzserie von Infiltrationen behandelt werden.

Faszien sind Umhüllungen von Körperregionen, Organen und Muskeln. Sie galten sowohl in der Medizin als auch in der Körpertherapie lange als belanglose Strukturen. Heute weist man ihnen sowohl strukturelle (für die Körperintegrität und für die Körperhaltung) als auch funktionelle (für die Bewegung) Bedeutung zu. Da diese Faszien verschiedene Spannungszustände einnehmen können, braucht es im Falle von auftretenden Fehlfunktionen gezielte Massnahmen zur Entspannung und deren Koordination. Diese werden sowohl passiv (durch den Therapeuten) als auch aktiv (durch den Patienten) erarbeitet.

Achtsamkeitsbasierte Therapien wie «Mindfulness Based Stress Reduction MBSR» nach Kabat-Zinn entwickelten sich aus Meditation sowie körperkonzentrierten Techniken wie Autogenem Training und Atemtherapie. Achtsamkeit meint das bewusste und zulassende, akzeptierende Umgehen mit Gefühlen, Schmerzen und Trauma als momentaner Teil des eigenen Selbst und des eigenen Lebens. Ziel ist es, aktuell möglicherweise nicht veränderbare Situationen aus dem Fokus zu nehmen, also sich selbst Raum zu schaffen, um sich mit anderen, notwendigen Dingen des eigenen Lebens und des eigenen Selbst zu befassen.

Der bei uns im Hause angebotene MBSR-Kurs besteht aus einem Vorgespräch, acht Gruppensitzungen sowie einem Gespräch zur Nachbereitung.

Akupunktur

Akupunktur, diese uralte chinesische Heilmethode, hat auch in der modernen Medizin ihren Platz und ihre Berechtigung. Die Therapie mit feinen, sterilen Edelstahlnadeln zielt darauf ab, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und Schmerzen zu lindern. Positive Resultate können sofort oder langfristig nach mehreren Behandlungen eintreten. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Aktivierung von Endorphinen, auch Glückshormone genannt, eine Schlüsselfunktion bei der Wirkung der Akupunktur einnimmt.

Bildgestützte
Interventionen

Interventionelle Massnahmen werden an der Schmerzklinik Zürich grundsätzlich unter Realbilddarstellung live durchgeführt, sei dies mit Hilfe einer Ultraschall- oder einer Röntgendarstellung mittels Durchleuchtungsverfahren. Realbilddarstellungen bieten gegenüber «blind» gesteuerten Eingriffen (z.B. radiologisch CT-kontrolliert) den grossen Vorteil, dass der Eingriff unter direkter Sicht der Zielstrukturen durchgeführt wird und Punktionsnadeln oder auch Instrumente genau platziert werden können. Dies gewährleistet eine hohe Sicherheit und trägt entscheidend zur Minimierung der Risiken bei. Fragen Sie Ihren Arzt, welches bildgebende Verfahren für Ihren Eingriff am geeignetsten ist.

Diskografie

Bei strikt wirbelsäulennahen Schmerzen liegt häufig ein direkt vom Bandscheibengewebe ausgehender Schmerz vor. Dieser ist klinisch – also in der körperlichen Untersuchung – und mittels Bildgebung – Röntgen, CT oder MRI – nicht gut vom sogenannten Facettenschmerz oder von Schmerzen des Iliosakralgelenkes zu trennen.

Gezielte Schmerzauslösung

Hilfreich bei der Identifizierung der direkt vom Bandscheibengewebe ausgehenden Schmerzen ist die sogenannte Provokationsdiskographie. Hierbei wird wenig Flüssigkeit unter kontinuierlicher Druckmessung in die Bandscheibe eingespritzt. Dabei wird geprüft, ob während des kontrollierten Einspritzens ein dem Patienten bekannter Schmerz ausgelöst wird.

Während bei einer gesunden Bandscheibe «kein» oder «wenig» oder ein «anderer» Schmerz – und dies auch nur kurzfristig – vom Patienten angegeben wird, ist bei der erkrankten, sozusagen der verantwortlichen Bandscheibe, ab einem gewissen Druck der dem Patienten gut bekannte Schmerz am gut bekannten Ort zu spüren. Dieser hält im Rahmen der Testung üblicherweise maximal einige Minuten an.

Kurzzeitig mehr Schmerzen

Da bei ca. jedem zwanzigsten Patienten mit einigen Stunden dauernden, zusätzlichen Schmerzen zu rechnen ist, ist für einige Stunden die Überwachung und gegebenenfalls die Therapie auf unserer Tagesklinik notwendig. Bei ungefähr einem von fünfzig Patienten ist von einer einige Wochen anhaltenden Schmerzverstärkung auszugehen.

Epiduroskopie und endoskopische Epidurolyse

Die unter «kathetergeführte Epidurografie» geschilderten Ursachen von Rücken- und Beinschmerzen können noch erfolgreicher angegangen werden, wenn die Trennung der Gewebsschichten im Epiduralraum «unter Sicht», also mit einer flexiblen Optik (Endoskop) vorgenommen wird. Die Platzierung des aufblasbaren Ballons in die Verklebung/Vernarbung wird dabei optimiert. Zusätzlich kann eine gewebstrennende Technik mit minimaler Eindringtiefe (QMR®, Quantum Molecular Radiofrequency) sogar nahe der Hirnhaut eingesetzt werden. Mit diesem Verfahren können auch grossflächige Verklebungen/Vernarbungen therapiert werden, sodass eine deutlich bessere Beweglichkeit der Hirnhaut und der Nerven im Wirbelkanal erzielt werden kann.

Darüber hinaus können sogenannte Schmerzpunkte durch mechanische Reize während der Epiduroskopie bestimmt werden. Um unzulässigen Druck zu vermeiden, wird die Menge der Spülflüssigkeit (zur Ermöglichung der Sicht) laufend überwacht. Einrisse der Hirnhaut sind selten: Dadurch eventuell auftretende Symptome sind auf wenige Stunden limitiert und können erfolgreich auf unserer Tagesklinik therapiert werden.

Kathetergeführte Epidurografie und Epidurolyse

Entzündungsbedingte Verklebungen oder nach einer Operation auftretende Vernarbungen im Wirbelkanal können mittels einer speziellen Katheter-Technik therapiert werden. Meist wird der Katheter über die knöcherne Öffnung oberhalb des Steissbeins in den Wirbelkanal eingeführt. Dabei werden die aneinanderhaftenden Gewebsschichten im Epiduralraum mittels Flüssigkeitsgabe und/oder Aufblasen eines kleinen Ballons an der Katheterspitze getrennt. Dadurch verringert sich der Zug an der das Hirnwasser und Nerven umgebenen Hirnhaut. Rücken- sowie ausstrahlende Beinschmerzen können dadurch verbessert werden. Verletzungen der Hirnhaut, die den Patienten vorübergehend beeinträchtigen könnten, sind dabei sehr selten.

Infusionstherapie

Bei sogenannten «Ganzkörperschmerzen», «wandernden Schmerzen» und Fibromyalgie können Verbesserungen mit ­– während einigen Wochen – wiederholten Infusionen erreicht werden. Diese zielen auf spezielle Zellstrukturen (NMDA-Rezeptoren und Natrium-Kanäle). Dazu wird bei uns im Haus die Kombination von (S-) Ketamin, Midazolam und Lidocain eingesetzt. Nebenwirkungen, etwa intolerabler Schwindel, sind ziemlich, Halluzinationen sehr selten. In den ersten Sitzungen wird – unter Atem- und Kreislaufkontrolle – die Verträglichkeit geprüft und im Anschluss eine Kurzserie durchgeführt. Bei guter Wirkung kann die Infusion später nach einem festzulegenden, persönlichen Intervall wiederholt werden.

Das Verfahren kann auch bei den häufig im Rahmen der Schmerzerkrankung auftretenden depressiven Zuständen und grundsätzlich auch bei intraktabler Depression (nicht ausreichende Wirkung trotz mehrfacher medikamentöser Therapie) zur Anwendung kommen.

Kortison-Infiltration

Akute Schmerzzustände, die zum Beispiel durch eine neu aufgetretene Diskushernie (Vorfall von Bandscheibengewebe) und die dadurch bedingte Nervenbedrängung auftreten, können häufig gut mittels einer, respektive zweier gezielter, bildgebungskontrollierter Cortison-Infiltrationen behandelt werden. Das Cortison wird entweder über die Nervenaustrittsstellen am Wirbelkanal oder direkt in den Wirbelkanal gespritzt.

Ebenso können dysfunktionale, so genannt «blockierte» Gelenke und – bedingt auch – degenerierte, sprich «abgenützte» Gelenke mit Cortison-Infiltrationen behandelt werden. Im Erfolgsfall tritt ein Effekt je nach Cortison-Präparat innert weniger Tage oder einer Woche auf. Liegt eine Arthrose vor, ist davon auszugehen, dass der Effekt nach zwei bis drei Monaten wieder abnimmt. Cortison kann prinzipiell den Gelenkknorpel schädigen, daher sollten bei Arthrose regenerative Techniken (siehe unter «Regenerative Medizin») in Erwägung gezogen werden.

 

Neurostimulation des Rückenmarks

Seit mehreren Jahrzehnten werden weltweit spezifische Schmerzen durch elektrische Stimulation des Rückenmarks behandelt. Hierzu gehören der

  • Nervenschmerz („neuropathischer Schmerz“) nach Nervenschädigung durch Verletzung
  • der als Folge von Wirbelsäulenoperationen mögliche Schmerz
  • Schmerzen bei CRPS (früher Morbus Sudeck)
  • Schmerzen infolge von Durchblutungsstörungen

Erste Ergebnisse liegen darüber hinaus vor bei

  • Wirbelkanal (Spinal-)-Verengung
  • (diabetischer) Polyneuropathie

Wie funktioniert das?

Mittels eines über eine hohle Nadel in den Wirbelkanal eingebrachten, Silikon-geschützten Drahtes werden Impulse ausgelöst, welche die (Weiter-) Leitung des Schmerzes an die schmerzempfindlichen und schmerzbewertenden Zentren des Gehirns hemmen, bzw. unterdrücken. Die Nervenstimulation ist nicht schmerzhaft. Je nach Methode/System wird die Stimulation gar nicht oder als „warmes Kribbeln“ empfunden.

Wann kommt die Therapie zum Einsatz?

Ob die Therapie sinnhaft zur Anwendung kommen kann, wird im Rahmen eines mehrwöchigen Tests ermittelt. Für diese Zeit wird die stromführende Elektrode aus dem Körper herausgeleitet („hängen die Drähte aus der Haut“) und mit einer externen Batterie verbunden. Durch Verschieben des Drahtes und verschiedene Programmiermuster wird geprüft, ob eine erfolgreiche Stimulation erreicht werden kann. Kommt es zu einer verbesserten Funktion (zum Beispiel besser laufen können, besser sitzen können), zu einem verbesserten Schlafverhalten oder zu einer relevanten Schmerzreduktion (üblicherweise mehr als 50%) werden nach einer gewissen Wartezeit eine oder zwei neue Elektroden und ein Impulsgeber komplett unter die Haut implantiert.

Die testweise Elektrodenanlage wie auch die definitive Implantation führen wir ambulant in unserem zertifizierten OPS durch und überwachen den Patienten im Anschluss auf unserer Tagesstation.

Radiofrequenztherapie

Bei Schmerzen, die von den kleinen Wirbelgelenken ausgehen («Facettenschmerz» und Dysfunktion oder Arthrose) kann die Radiofrequenztherapie zur Verödung der kleinsten, die Gelenke versorgenden Nerven angewandt werden. Nach bestätigender, gezielter diagnostischer Injektion von Lokalanästhesie besteht in der Folge eine mehr als 50%-Erfolgsrate bei einer dann in einem zweiten Termin durchzuführenden Verödung. Effekte von drei bis zwölf Monaten sind zu erwarten. Später kann die Massnahme wiederholt werden.

Wie funktioniert das?

Nachdem eine spezielle Nadelspitze in den Bereich des kleinen Nervens gelegt wurde, wird mit Elektrizität eine Temperatur von mehr als 70°C angestrebt. Dies führt zur Verkochung der Nervenbestandteile innerhalb seiner äusseren Hülle. Die Verödung ist nicht schmerzhaft. Zuvor wird der Nerv mit örtlichem Betäubungsmittel anästhesiert.

Mit einer ähnlichen Methode, bei der aber mittels hochfrequentem An- und Ausschalten des Stroms ausschliesslich nicht nervenschädigende Temperaturen von bis 42°C erreicht werden, können auch grössere Nerven (zum Beispiel solche für die Muskelkraft) behandelt werden. Hier sind Effekte von drei bis sechs Monaten zu erwarten. Anwendung findet diese Methode bei sogenannten Nervenschmerzen.

Sympathikus-Blockaden

Im sogenannten vegetativen Nervensystem gibt es zwei Kräfte: Den Parasympathicus, hier insbesondere der Vagusnerv und den Sympathicus. Letzerer ist u.a. für Durchblutung, Temperaturregulation, Schwitzen und auch für muskuläre und emotionale Spannung mitverantwortlich. Bei chronischen Schmerzen kann es zu einer Mitbeteiligung des Sympathicus kommen und dadurch ein Teufelskreis mit gegenseitiger Verstärkung entstehen. Dies ist häufig bei Nervenschmerzen der Fall, ebenso beim «komplexen regionalen Schmerzsyndrom CRPS».

Mittels testweiser Blockade durch eine gezielte, Ultraschall-gesteuerte und Röntgen-kontrollierte Infiltration prüfen wir, ob eine spezifische Behandlung am Sympathicus sinnvoll und nötig ist. Die Testblockade hält für vier bis acht Stunden an. Die betroffene Extremität wird für diese Zeit warm, schwer und kann sich „wie Schaumgummi“ anfühlen. Diese Effekte, wie auch gegebenenfalls kurzfristig auftretende Heiserkeit, Schluckstörungen oder ein herabhängendes Oberlid, sind nicht beängstigend und erklären sich aus der Blockade.

Tritt während den vier bis acht Stunden Wirkzeit eine relevante Funktionsverbesserung oder eine eindeutige Schmerzreduktion auf, wäre ein sogenannter «Symphathetic Maintained Pain, SMP» diagnostiziert. Dieser könnte mit einer Kurzserie von Infiltrationen behandelt werden.

Triggerpunktinfiltration

Bei muskulären Verspannungszuständen sind neuraltherapeutische Triggerpunkt-Infiltrationen und «Dry Needling» gut bekannt. Mit dem heutigen Einsatz von transportablen Ultraschallgeräten kann diese Technik deutlich risikoärmer zum Beispiel auch in der Nähe der Lunge, der Bauchhöhle sowie nah an Blutgefässen und Nerven durchgeführt werden. Lässt sich der krankhaft erhöhte Muskeltonus mittels solcher Infiltrationen senken, ist in der Folge eine körpertherapeutische Behandlung (detonisierende Massage, Physiotherapie und/oder Haltungskontrolle) angezeigt.

Migräne-Behandlung mit Botulinumtoxin (Botox®)

Migräne ist eine Kopfschmerzerkrankung, welche Patienten langfristig begleiten kann. Gegen die Kopfschmerzen können oft einfache Schmerzmittel helfen. In anderen Fällen helfen Medikamente, die indirekt auf die Blutgefässe der Hirnhaut wirken und (neuerdings) Antikörper gegen die Blutgefäss-erweiternde Substanz CGRP. Besteht eine hohe Anfallsfrequenz, kommen zusätzlich Medikamente in Tablettenform zur sogenannten Prophylaxe zur Anwendung (Betablocker, Antiepileptika und Antidepressiva).

Botox® als Medikament

Eine Alternative ist das Infiltrieren von Botulinumtoxin (man sagt auch «Wurstgift») an 31 definierte Stellen im Kopf- und Schulterbereich nach dem sogenannten PREEMT-Schema. Der Erfolg dieser Behandlung führte zur Zulassung von Botox zur Migräne-Behandlung in den USA und Europa. In der Schweiz sprechen manche Versicherer in speziellen Patientensituationen Kostengutsprachen.

Die Behandlung wird zweimal nach jeweils drei Monaten wiederholt. Sollte dieser Behandlungsansatz erfolgreich sein – die Zahl der Migränetage pro Monat reduziert sich mindestens um 3 – wird die Infiltration nach einem festzulegenden, persönlichen Intervall wiederholt.

Achtsamkeitstraining

Achtsamkeitsbasierte Therapien wie «Mindfulness Based Stress Reduction MBSR» nach Kabat-Zinn entwickelten sich aus Meditation sowie körperkonzentrierten Techniken wie Autogenem Training und Atemtherapie. Achtsamkeit meint das bewusste und zulassende, akzeptierende Umgehen mit Gefühlen, Schmerzen und Trauma als momentaner Teil des eigenen Selbst und des eigenen Lebens. Ziel ist es, aktuell möglicherweise nicht veränderbare Situationen aus dem Fokus zu nehmen, also sich selbst Raum zu schaffen, um sich mit anderen, notwendigen Dingen des eigenen Lebens und des eigenen Selbst zu befassen.

Der bei uns im Hause angebotene MBSR-Kurs besteht aus einem Vorgespräch, acht Gruppensitzungen sowie einem Gespräch zur Nachbereitung.

Faszientherapie

Faszien sind Umhüllungen von Körperregionen, Organen und Muskeln. Sie galten sowohl in der Medizin als auch in der Körpertherapie lange als belanglose Strukturen. Heute weist man ihnen sowohl strukturelle (für die Körperintegrität und für die Körperhaltung) als auch funktionelle (für die Bewegung) Bedeutung zu. Da diese Faszien verschiedene Spannungszustände einnehmen können, braucht es im Falle von auftretenden Fehlfunktionen gezielte Massnahmen zur Entspannung und deren Koordination. Diese werden sowohl passiv (durch den Therapeuten) als auch aktiv (durch den Patienten) erarbeitet.