Zentrumsleitung

Dr. med. Michael Büchling übernimmt die Zentrumsleitung der Schmerzklinik Zürich – ein Gespräch über seinen Weg in die Schmerzmedizin

Dr. med. Michael Büchling, Facharzt für Anästhesiologie FMH und interventionelle Schmerztherapie, verstärkt seit Kurzem das Team der Schmerzklinik Zürich und übernimmt neu die Zentrumsleitung der Klinik. Mit seiner fundierten Ausbildung, langjährigen klinischen Erfahrung und seiner Spezialisierung auf moderne schmerztherapeutische Verfahren bringt Dr. Büchling wertvolle Expertise in die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit akuten und chronischen Schmerzzuständen ein.

Medizinischer Werdegang

Dr. Büchling studierte Humanmedizin an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau, wo er auch promovierte. Nach der Approbation war er zunächst an der Universitätsklinik für Anästhesiologie in Freiburg tätig.

Seinen Facharzt für Anästhesiologie absolvierte er am Klinikum Mittelbaden, wo er zusätzlich die Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ (Deutschland) erwarb. In der Schweiz arbeitete Dr. Büchling unter anderem als Facharzt im Schmerzambulatorium des Inselspitals - Universitätsspital Bern sowie als Oberarzt am Zentrum für Schmerzmedizin des Kantonspitals Münsterlingen.

Seit seinem Wechsel in die Schmerzklinik Zürich bringt er diese breit gefächerte Erfahrung in ein interdisziplinäres Umfeld ein. Dr. Büchling ist Mitglied der Swiss Society for Interventional Pain Management (SSIPM) und arbeitet gemäss deren Richtlinien.

Interview mit Dr. med. Michael Büchling

Herr Dr. Büchling, was hat Sie ursprünglich dazu bewegt, Arzt zu werden und warum haben Sie sich für die Schmerzmedizin entschieden?

Ursprünglich hat mich fasziniert, den Menschen mit seiner Anatomie und den physiologischen Prozessen besser zu verstehen und die Fähigkeit zu erlernen, durch gezielte Massnahmen in pathologische Prozesse einzugreifen und eine Heilung oder eine Linderung erreichen zu können. Gleichzeitig wollte ich einen abwechslungsreichen Beruf ausüben, der nicht ausschliesslich im Büro stattfindet, sondern direkten Kontakt mit Menschen ermöglicht.

Für die Schmerzmedizin habe ich mich entschieden, weil oft mit gezielten, individuell angepassten Massnahmen eine deutliche Linderung von Beschwerden erreicht werden kann. Besonders motivierend ist es, Patienten zu helfen, ihre Lebensqualität zu verbessern und in manchen Fällen sogar Operationen hinauszuzögern oder zu vermeiden. Schmerzen sind oft nicht eindeutig zuzuordnen. Dann ist es wie eine Detektivarbeit, der Ursache auf den Grund zu gehen – eine Herausforderung, die ich als besonders spannend und erfüllend empfinde.

Sie sind sowohl Facharzt für Anästhesiologie als auch für interventionelle Schmerztherapie. Wie ergänzen sich diese beiden Fachrichtungen in Ihrer täglichen Arbeit?

Anästhesie und Schmerzen hängen eng zusammen. Bei der Anästhesie geht es darum, eine Empfindungslosigkeit zu erreichen, um beispielsweise eine Operation schmerzfrei durchführen zu können. Dies gelingt durch eine, wie der Volksmund sagt «Vollnarkose» oder auch eine Regionalanästhesie. Letzteres kommt der interventionellen Schmerzmedizin sehr nahe, da Schmerztherapeuten versuchen, z.B. durch gezielte Infiltrationen an Nerven, Gelenken oder Bändern den Schmerz zu beeinflussen. Die praktischen Erfahrungen und auch der Umgang mit Schmerzmedikamenten, die ich als Anästhesist gemacht habe, helfen mir dabei ungemein, meinen Patienten eine Schmerztherapie auf einem hohen Niveau anbieten zu können.

Was bedeutet eine SSIPM-konforme Ausbildung konkret für Ihre Patientinnen und Patienten?

Der Fähigkeitsausweis SSIPM dient in erster Linie der Sicherstellung einer hochwertigen medizinischen Behandlung. Für Patientinnen und Patienten bedeutet es, dass bestimmte schmerztherapeutische Eingriffe – zum Beispiel eine Infiltration an einer Nervenwurzel, bei der ein Lokalanästhetikum gezielt mit einer Kanüle injiziert wird – nur von speziell ausgebildeten Ärztinnen und Ärzten mit diesem Fähigkeitsausweis durchgeführt werden dürfen.

Um den Fähigkeitsausweis zu behalten, müssen die Ärztinnen und Ärzte zudem regelmässig an Fortbildungen teilnehmen. Dadurch wird gewährleistet, dass die Behandlung stets nach den aktuellen medizinischen Standards der interventionellen Schmerzmedizin und auf hohem Qualitätsniveau erfolgt.

Was hat Sie dazu bewogen, Teil des Teams der Schmerzklinik Zürich zu werden?

Mich begeisterte das Therapieangebot, welches neben bewährten konservativen und interventionellen Verfahren auch moderne neuromodulative Behandlungsansätze umfasst. Dabei wird konsequent die Philosophie gelebt, langfristige medikamentöse Therapien, wenn möglich zu vermeiden und stattdessen nachhaltige, und lösungsorientierte Ansätze zu finden, die wieder zu mehr Aktivität der Patienten führen. Ausserdem versprach dies eine Tätigkeit zu werden, die ein hohes Mass an Selbstständigkeit und eigenverantwortlichem Arbeiten in einem kleinen, eingespielten Team mit kurzen Entscheidungswegen ermöglicht. Statt zeitaufwendiger Rapportsitzungen werden konkrete Fragestellungen direkt, effizient und oft unkompliziert im Arbeitsalltag geklärt. Das empathische und wertschätzende Miteinander – sowohl im Team als auch im Umgang mit den Patientinnen und Patienten, haben mir die Entscheidung leicht gemacht. Ich habe die Entscheidung bis heute nicht bereut.

Wie erleben Sie die Zusammenarbeit innerhalb der Klinik?

Ich freue mich jeden Tag zur Arbeit zu kommen und ein hochmotiviertes Team anzutreffen, das gemeinsam ein Ziel hat: eine optimale Patientenversorgung, nicht nur medizinisch, sondern auch menschlich zu ermöglichen. Ich glaube, das schätzen unsere Patienten sehr Unsere kompetenten MPAs unterstützen uns Ärzte sehr, damit sich die Patientinnen und Patienten gut aufgehoben fühlen und der Arbeitsalltag effizient und angenehm gestaltet werden kann. Dabei erlebe ich eine offene Kommunikationsstruktur und alle haben das Bestreben sich und Abläufe stetig zu verbessern.

Viele Patientinnen und Patienten kennen den Begriff „interventionelle Schmerztherapie“ noch nicht. Wie würden Sie diesen Ansatz einfach erklären?

Interventionelle Schmerztherapie bedeutet gezielte schmerztherapeutische Verfahren («Infiltrationen durch Injektionen von Medikamenten») an Nerven, Gelenken, Sehnen, Muskeln und Bändern zur Abklärung oder Behandlung von ursächlichen Schmerzzuständen. Durch diese lokal angewendeten Verfahren kann häufig eine langfristige systemische Einnahme von Schmerzmedikamenten vermieden oder reduziert werden.

Für welche Beschwerden eignen sich minimalinvasive schmerztherapeutische Verfahren besonders?

Prinzipiell sind solche Verfahren sowohl bei akuten als auch bei chronischen Schmerzzuständen sinnvoll, wenn es eine Abklärung oder Therapie einer somatischen (körperlichen) Ursache geht. Ursachen können sein: Nervenschmerzen (neuropathische Schmerzen), Rückenbeschwerden, (Arthrose bedingt) Gelenksschmerzen, Myofasziale Schmerzen, tumorbedingte Schmerzen.

Wie wichtig ist eine individuelle Therapieplanung in der Schmerzmedizin?

Das finde ich so spannend an der Medizin – kein Patient gleicht dem anderen und jeder Patient hat andere und individuelle Bedürfnisse. Eine optimale Schmerztherapie gelingt nur, wenn ein gegenseitiges Vertrauen zwischen Arzt und Patient besteht, der Patient das Gefühl bekommt, dass er ernst genommen wird und eine Schmerztherapie an seine Bedürfnisse angepasst wird. Jede Therapieentscheidung wird gemeinsam mit dem Patienten getroffen, der selbst Experte für seine Schmerzen sein soll. Daher ist eine individuelle Therapieplanung von entscheidender Bedeutung.

 

 

 

Chronische Schmerzen sind oft auch emotional belastend. Wie gehen Sie im Gespräch mit Ihren Patientinnen und Patienten damit um?

Gerade Emotionen wie Wut, Frustration, Stress oder Angst sind häufig bei chronischen Schmerzpatienten anzutreffen und müssen genauso ernstgenommen und therapeutisch adressiert werden wie der Schmerz. Das ist nicht immer leicht. Daher arbeiten wir eng mit einer Schmerzpsychologin zusammen. Die beste Schmerztherapie gelingt nicht, wenn Probleme auf emotionaler/mentaler Ebene nicht auch berücksichtigt werden.

Was ist Ihnen in der Arzt-Patienten-Beziehung besonders wichtig?

Ehrlichkeit - ich möchte meinen Patienten keine Therapie anbieten, die ich nicht auch selbst an mir oder einem engen Angehörigen anwenden würde. Dabei möchte ich so transparent und einfach wie möglich kommunizieren, damit die Patienten Vertrauen aufbauen können. Die Patienten sollen das Gefühl haben, selbst entscheiden zu können, was sie möchten und was nicht. Ich sage häufig: «Sie sind Chef/in und Sie bleiben Chef/in».

Welche Entwicklungen in der Schmerzmedizin halten Sie aktuell für besonders relevant?

Ich denke, die grössten Fortschritte werden mittelfristig im Bereich der Technik (KI-gesteuerte neuromodulative Verfahren) als auch im Bereich der regenerativen Medizin (Eigenbluttherapie, Stammzellen) stattfinden. Das verfolge ich mit Spannung.

Wo sehen Sie die Schmerztherapie in den kommenden Jahren?

Die Schmerztherapie wird auch in den kommenden Jahren eine entscheidende Rolle in der medizinischen Versorgung von Patienten spielen, da die Anzahl der chronischen Schmerzpatienten aus verschiedenen Gründen stetig zunimmt. Dafür braucht es zum einen gut ausgebildete Schmerzmediziner als auch vermehrt Präventionsprogramme, die bereits frühzeitig in die medizinische Versorgung integriert werden, um einer Chronifizierung des Schmerzes entgegenzuwirken bzw. diese sogar verhindern zu können.

Wie schaffen Sie nach einem intensiven Arbeitstag den Ausgleich?

Da ich einen langen Anfahrtsweg mit dem Auto habe, hilft es mir sehr, während dem Fahren ein Hörbuch zu hören und dabei von der Arbeit abschalten zu können. Zu Hause freue ich mich immer auf meine Familie: meine Frau und meine beiden Söhne. Da ist nochmal richtig Action angesagt, was ich aber als sehr angenehm empfinde. Familie ist mir sehr wichtig. Zudem versuche ich regelmässig, sportlich aktiv zu sein.

 

Gibt es etwas, das Patientinnen und Patienten vielleicht nicht auf den ersten Blick über Sie vermuten würden?

Ich bin schon 41 Jahre alt 😊 und ich liebe gutes Essen und einen guten Wein dazu.

Was möchten Sie Menschen mit chronischen Schmerzen mit auf den Weg geben?

Hoffnung besteht immer. Eine völlige Schmerzfreiheit ist jedoch bei chronischen Schmerzen meistens und trotz intensiver Bemühungen leider nicht mehr erreichbar. Hoffnung auf Schmerzlinderung ist jedoch realistisch und dafür bieten wir einen multimodalen, evidenzbasierten und individuellen Therapieansatz an. 

Schmerztherapie ist ein Prozess, oft über viele Wochen oder Monate hinweg und dabei begleiten und unterstützen wir unsere Patienten intensiv.